Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern“, so könnte man die über den amerikanischen Wirtschaftssender CNBC bekanntgewordene Nachricht der Rückkehr von Dell an den Aktienmarkt kommentieren. Michael Dell gründete vor über 30 Jahren das gleichnamige Computerunternehmen mit der Vision PCs und Notebooks kostengünstig per Direktverkauf – verbunden mit erstklassigem Service – Privat- und Geschäftskunden zu offerieren. In den 1990er Jahren gehörte Dell auch zu den Börsenlieblingen. Das Unternehmen profitierte vom Siegeszug der PCs und dem boomenden Direktverkauf über das gerade enstehende Internet. Doch anschließend kam der Motor ins Stottern. Dell kam aus der Mode und verlor zunehmend Marktanteile und verschlief Innovationen wie das Smartphone und die Tablet Computer. Michael Dell sah die einzige Chance für Dell in einem „Time Out“. Folgerichtig nahm er 2013 das Unternehmen mit Hilfe des Finanzinvestors Silverlake von der Börse, kaufte den Speicherspezialisten EMC und wollte abseits des Drucks der Kapitalmärkte das Unternehmen restrukturieren. Doch nicht nur geschäftlich lief die Sache alles andere als Rund. Der zusammengekaufte Gemischtwarenladen aus Computer, Speicher- und Sicherheitssystemen ist zu träge und zu wenig innovativ, um auf die neuen Megathemen wie Cloud-Computing, künstliche Intelligenz oder Blockchain pfiffige Antworten und Lösungen zu präsentieren. Die Steuerreform tut nun ihr Übriges für Michael Dell. Der Tech-Entrepreneur setzte stark auf die Finanzmagie und lud über 50 Milliarden Dollar an Schulden auf Dell. Der Plan, die Schuldzinsen von der Steuer abzusetzen geht nun, dank Finanzjongleur Trump, nicht mehr auf und die Kapitalmarktzinsen sind zudem im Steigen begriffen. Doch Dell wäre nicht Dell, hätte er nicht erkannt, dass er mit der Übernahme von EMC mit VMware ein echtes Juwel eingekauft hat. Das Silicon Valley Unternehmen gehört im Cloud-Computing zu den Innovationsführern und bringt rund 60 Milliarden Dollar Marktkapitalisierung auf die Wage. So könnte nun die attraktive Tochter VMware sich die alternde Mutter Dell über einen Reverse-IPO einverleiben und in der Folge das Unternehmen Dell filetieren. Vielleicht nicht die schlechteste Idee. Wettbewerber Hewlett Packard fuhr mit dieser Radikalkur zuletzt ganz gut.

Nachdruck aus Börse Online

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