„Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen“, sagte Helmut Schmidt einst über Willy Brandts Visionen im Bundestagswahlkampf 1980. Für das Silicon Valley sind Visionen so wichtig wie Sauerstoff für die Menschen. Tesla Chef Elon Musk ist vielleicht der größte Visionär überhaupt. Musk skizzierte in einem tollkühnen ersten Masterplan anno 2006, dass Tesla zunächst einen Sportwagen mit Elektroantrieb und in der weiteren Abfolge eine teure Limousine, einen SUV und schließlich ein Elektrofahrzeug für den Massenmarkt produzieren wollte. Bedenkt man die Tatsache, dass Tesla neben Ford das einzige US-Autounternehmen ist, das nicht zwischendurch Insolvenz anmelden musste, erscheint der Plan auch im Rückspiegel als äußerst tollkühn. Zuletzt kam Tesla mit dem Autopiloten und der von Musk initiierten Fusion mit dem Solarunternehmen Solar City unter Druck. Genau in diesen Drucksituationen fühlt sich Musk wohl und kontert nun mit seinem Masterplan Teil Zwei in dem er die Zukunft des fusionierten Unternehmens Tesla / Solar Citiy skizziert. Während deutsche Premiumhersteller langsam auf den Zug digitaler Geschäftsmodelle und Elektrofahrzeuge aufspringen, denkt Musk vom Ende her. Seine Vision für Tesla ist klar: Das Ziel ist eine Kombination aus einem integrierten Mobilitäts- und Stromanbieter auf Basis erneuerbarer Energien zu werden. Das deckt sich mit Musks Lebensplan, als er im Alter von 20 Jahren entschied zunächst über die Gründung und den Verkauf von Internet Unternehmen schnell zu Geld zu kommen und anschließend die Welt mit seinen Ökounternehmen vor dem Klimakollaps zu bewahren. Der eigentliche Schlüssel zu allem liegt in der Wüste von Nevada. Dort ensteht die weltweit grösste Batteriefabrik, die das Kernstück seines ambitionierten Plans liefert. Wenn Musk aus Tesla eine hochskalierbare Produktionsmaschine machen kann, dann wird Tesla zu einer mächtigeren Plattform als Google und Facebook. Zurück zu Helmut Schmit: Er gewann zwar den Bundestagswahlkampf 1980 gegen Strauß, zwei Jahre später wurde er aber durch ein konstruktives Mißtrauensvotum gestürzt, weil ihm seine eigenen Parteikollegen die Gefolgschaft versagten. Musk ist also wieder mal gefordert, damit ihm Selbiges erspart bleibt.

Nachdruck aus Börse Online

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