Der Spruch „Big Data ist das neue Öl“ wurde in den letzten Jahren zum geflügelten Ausdruck für die neuen datengetriebenen Geschäftsmodelle. Kreativ wie die Börse ist, fanden sich die wichtigsten Erzeuger und Förderer digitaler Daten in dem Akronym „GAFA“ (Google, Amazon, Facebook und Apple) wieder. Das raffinieren von digitalen Daten hat sich zu einer Goldgrube entwickelt. Selbst Warren Buffett musste auf der letztjährigen Hauptversammlung eingestehen, dass er geradezu blind war, als ihm die beiden Google Gründer Larry Page und Sergej Brin im Jahre 2004 kurz vor dem Börsengang ihre Aufwartung machten, er aber das gigantische Potenzial aus Klicks in Form von Werbung direkt Geld zu machen nicht erkannte. Für Buffett ist Google eine alchemistische Gelddruckmaschine par excellence. Lange Jahre konnten sich die GAFA Konzerne rühmen, nur Gutes im Sinn zu haben. Nicht ohne Grund lautete das Google Motto zum Börsengang 2004 auch „Don’t be evil – sei nicht böse“. Eine Replik auch an den verhassten Ostküstenkonzern Microsoft, der Anfang der 2000er Jahre unter harten Beschuss der Monopolkommission kam und kurz vor der Aufspaltung stand. Die GAFA Unternehmen nutzten die Paralyse bei Microsoft über ein Jahrzehnt schonungslos aus, meist nach dem rücksichtlosen Piraten-Motto von Facebook „Move fast and break things – schreite schnell voran und breche bestehende Zäune nieder.“. Beobachter werteten die Namensänderung von Google auf Alphabet und die damit verbundene Holding-Struktur als Indiz, dass es seine erdrückende Dominanz in der Suche kaschieren wollte, um sich so vor einer Verfolgung der Justizbehorden mit der Konsequenz einer möglichen Aufspaltung zu schützen. Just dazu passen die Schlagzeilen für „käufliche Politik“ der Tech-Konzerne. Mit der Präsidentschaft nahmen diese nochmals sprunghaft zu. Allein die vier Tech-Giganten Google, Amazon und Apple haben in 2017 knapp 50 Mio. Dollar für Lobbyarbeit ausgegeben, ein Anstieg von 24 Prozent gegenüber 2016 aber angesichts der gigantischen Gewinne nur Spielgeld. Bleibt zu hoffen, dass die Politik aber auch die Tech-Konzerne zur Besinnung kommen. Ein erster Schritt könnte das neue Alphabet Motto sein: „Do the right thing – mache das Richtige“.

Nachdruck aus Börse Online

Menü