Im Gegensatz zu den Vorjahren mit den IPOs von Facebook, Twitter und Lending Club lief der IPO Markt für Silicon Valley Tech-Unternehmen in 2015 schleppend. Zuletzt wurden auch Zweifel laut, ob die Bewertungen der vorbörslichen Startups im Silicon Valley nicht zu hoch sind. Dem IPO des elektronischen Zahldienstleisters Square in der letzten Woche wird „Eisbrecherfunktion“ an der Wall Street attestiert, ist das Unternehmen doch eines der bekanntesten und glamourösesten Unicorns der Silicon Valley Startup Szene. Der Anspruch des 2009 von Twitter Mitgründer Jack Dorsey gestarteten Square ist nichts weniger, als den elektronischen Zahlungsverkehr zu revolutionieren. Mit einem einfachen Kreditkartenleser der auf ein Smartphone oder Tablet aufgesteckt werden kann in Verbindung mit einer stylischen App ähnlich dem Design von Apple, gelang es dem Unternehmen schnell Endkunden aber auch Einzelhändler und Restaurantketten als Kunden zu gewinnen. Die Umsätze wuchsen schnell in den dreistelligen Millionenbereich und prominente Venture Capital Investoren wie Richard Branson oder Visa sprangen auf den Zug auf und investierten kräftig in Square.

Doch ähnlich wie bei Twitter, dem Jack Dorsey als CEO ebenfalls vorsteht, mehrten sich vorbörslich die Fragezeichen ob das Geschäft von Square nachhaltig ist. Denn für jede abgewickelte Finanztransaktion müssen an die angeschlossenen Kreditkartenunternehmen (z. B. Visa) erhebliche Gebühren abgeführt werden. Entsprechend „verbrennt“ das Unternehmen bei einem Umsatz von $893 Mio. rund $132 Mio. in den ersten neun Monaten von 2015. Inzwischen stellt sich Square deutlich breiter auf und bietet einen ganzen Baukasten an Lösungen für den Zahlungsverkehr inklusive Gehaltsabrechnungen. Ziel ist: Auswertungen der Zahlungsströme über Big Data Analysen in Form von Zusatzdiensten zu monetarisieren und profitabel zu werden – vereinfacht ein Google für Finanzen. Damit rückt Square auch in das Visier der Branchenschwergewichte PayPal, Apple, Google sowie Amazon und Alibaba, die mit ihren gut gefüllten Kriegskassen sich nicht nur Square, sondern auch deren charismatischen CEO Jack Dorsey einverleiben könnten.

Nachdruck aus Börse Online