Twitter CEO Jack Dorsey hat gleich zwei Vollzeitjobs: Zum Einen versucht er den Turn-Around beim von ihm mitgegründeten Kurznachrichtendienst Twitter hinzubekommen, was sich aber bis dato als schwierig gestaltet und zum Anderen ist er Chef des hippen und wachstumsstarken FinTechs Square. Das Unternehmen bietet bisher eine Rundum-Lösung für die Bezahlung in kleinen und größeren Geschäften im Einzelhandel oder der Gastronomie. Unternehmen benötigen dazu lediglich das Square-Lesegerät, was als Aufstecksystem für das iPhone oder iPad angebracht werden kann. Zusammen mit der stylischen Händlerapp für das iPad ersetzt Square damit ein klassisches Kassensystem.

Zum Börsengang im November 2015 musste Dorsey bei der Bewertung von Square große Zugeständnisse machen. Der Ausgabepreis wurde auf lediglich 9 Dollar festgelegt. Im Anschluß fiel die Aktie dann sogar darunter. Square wurde in der Finanzpresse als Synonym für die hochgehandelten Start-ups herumgreicht, die sich an der Börse als Flop erweisen. Was Dorsey bei Twitter bis anhin nicht gelang, vollbrachte er bei Square: Er brachte das Unternehmen auf einen strammen Wachstumskurs und die Aktie hat sich auf rund 26 Dollar nahezu verdreifacht.

Haupttreiber ist die Ausgabe von Krediten an Kleinunternehmen. Dorsey verkündete Anfang September über seinen Twitter Account denn auch stolz, dass die Tochter Square Capital über 1,8 Milliarden Dollar an über 140.000 Kleinunternehmen in den USA vergeben hat. Bisher benötigte Square Capital für die Kreditemissionen eine Partnerbank. Doch nun hat sich Dorsey in einem smarten Schachzug entschlossen eine sogenannte Industriekreditgesellschaft mit dem Namen Square Financial Services zu gründen. Damit umgeht er die starken Regulierungen, denen klassische Banken unterliegen, verfügt aber über wichtige Vorteile: Square wird in der Lage sein, Einlagen eigenständig zu halten, wodurch eine kostengünstigere Finanzierungsquelle geschaffen und eine breitere Palette von Finanzprodukten ermöglicht wird. Auf Unverständnis stößt das Schlupfloch für FinTechs zu einer Bank zu mutieren bei klassichen Banken. Ihre Vertreter reagierten düpiert und wünschen, dass FinTechs die Bankgeschäfte machen auch vollständig den Regularien unterliegen sollen.

Nachdruck aus Börse Online

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