Nicht einmal Hollywood hätte die Sache besser inszenieren können. Noch vor gut einem Jahr waren sich Donald Trump und das libertäre Silicon Valley geradezu spinnefeind. Für Donald Trump waren die Tech-Unternehmen Teil des Bösen. Trump wollte sogar den wertvollsten Konzern der Erde mit dem angebissenen Apfel im Logo dazu verdammen, seine sündhaft teuren Smartphones nicht nur in Kalifornien designen, sondern auch wieder in den USA produzieren zu lassen. Doch dank Mega-Investor Peter Thiel, Techberater von Donald Trump, hat sich das Verhältnis eingerenkt. Man versteht sich inzwischen und spricht die Sprache des Geldes. Nachdem viele Projekte von Trump auf Eis liegen, scheint er mit seinem Vorhaben die Unternehmenssteuern auf rund 20 Prozent zu senken Erfolg zu haben. Er braucht nur noch die Zustimmung des Kongresses und will noch vor Weihnachten den „Tax Cuts and Jobs Act“ unterschreiben. Wer sind nun die großen Profiteure? Ganz klar die Unternehmen aus dem Silicon Valley. Schon im Sommer diesen Jahres kam der Kreditrating Spezialist Moody’s im Rahmen einer Bilanzanalyse zu dem Schluss, dass die amerikanischen Unternehmen rund 1,84 Billionen Dollar Cash auf ihren Konten gehortet haben. Allein auf die fünf großen Tech-Gladiatoren Apple, Microsoft, Google, Cisco und Oracle entfallen 32 Prozent der Gelder. Spitzenreiter ist Apple, der auf einem Geldberg von 270 Milliarden Dollar sitzt. Moody’s schätzt in seiner Analyse, dass wohl 1,3 Billionen Dollar, also rund 70 Prozent, unversteuert im Ausland liegen. Während die Konten der Konzerne anschwillen, nahm gleichzeitig die Investitionsbereitschaft um 18 Prozent ab. Genau hier könnte Trumps Steuervereinfachung wirken: Kommt er mit seinem Gesetz durch, so will er insbesondere die Tech-Konzerne damit locken, ihre Auslandsgelder in die USA zu transferieren und sie nur mit geringen Steuersätzen belegen. Gelingt dies, könnte dies der Startschuss für eine Übernahmeralley im Silicon Valley werden. Apple, Alphabet und Co. könnten ihre Kriegskassen nutzen und sich interessante aufstrebende Unternehmen einverleiben, um so ihr jeweiliges Plattformgeschäft weiter auszubauen und zu zementieren. Die 400 Mio. Dollar schwere Übernahme der Musikapp Shazam durch Apple war da nichts weiter als ein Degustationshappen.

Nachdruck aus Börse Online

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