Salesforce Gründer Marc Benioff gilt im Silicon Valley als einer der grössten Exzentriker und Visionäre. Als Erster hatte er Ende der 1990er Jahre die Idee von einem rein Cloud-basierten Softwareanbieter für das Kundenbeziehungsmanagement von Unternehmen, zu einem Zeitpunkt als die weltweite Internet- und Datenkommunikationsinfrastruktur noch wenig entwickelt war. Salesforce wurde zum Welterfolg und zum grössten Softwareunternehmen in der Cloud. Doch Benioff ist das nicht genug. Sein Lehrmeister war kein geringerer als der charismatische Oracle Chef Larry Ellison, der sich bekanntermassen mit SAP Co-Gründer Hasso Plattner nicht nur heftige verbale sondern auch sportliche Duelle in der Hochseeregatta lieferte. Ellison, der in den letzten 15 Jahren reihenweise Unternehmen wie Peoplesoft und Sun aufgekauft hat um Oracles lahmendes Datenbankgeschäft voranzubringen, scheint für Benioff und Salesforce zu einer Blaupause für Übernahmen geworden zu sein. In der vergangenen Woche kam eine Salesforce interne Liste potenzieller Akquisitionskandidaten durch das gehackte eMail-Konto des Salesforce Aufsichtsrats und früheren Aussenministers der USA, Colin Powell, an die Öffentlichkeit. Die Liste enthält 14 potenzielle Kandidaten wie Adobe, LinkedIn, workday, servicenow, Netsuite, Tableau, box, zendesk, Marketo und HubSpot. Seziert man die Liste genauer und gleicht sie mit dem Profil von Salesforce auf Synergien ab, so wären primär der Big Data Visualisierungsspezialist Tableau und der führende Dokumentenmanagementanbieter box interessant das Salesforce Ökosystem zu erweitern und signifikantes Umsatzwachstum beizusteuern. Attraktiv für das Salesforce Kerngeschäft Marketing und Vertrieb erscheinen zendesk, Marketo und HubSpot, die jeweils für weniger als $2 Mrd. zu haben sind. Allzu gerne hätte Benioff LinkedIn oder Twitter übernommen und deren Reichweite mit seiner Softwareplattform verknüpft. Für Benioff sind bei erfolgreichen Übernahmen entscheidend, dass er den CEO, die Firma und die Marke mag. Letzer, aber entscheidender Punkt für Benioff: Auch die Aktionäre müssen den Übernahmekandidaten mögen. Genau das war bei Twitter aktuell noch nicht der Fall.

Nachdruck aus Börse Online