Bekanntermaßen hat der Immobilienbesitz in den USA einen deutlich höheren Stellenwert als bei uns in Deutschland. Nachdem bereits viele Segmente des täglichen Lebens, wie der Einzelhandel (Amazon), das Transportwesen (Uber) und die Medien (Netflix) durch digitale Angebote revolutioniert wurden, ist der Immobiliensektor das nächste lukrative Segment. Der Online-Immobilienbroker Redfin ging vergangenen Freitag an die Börse und konnte bei einem IPO-Kurs von 15 Dollar insgesamt 138 Millionen Dollar frisches Kapital für die Umsetzung des weiteren Wachstums einsammeln. Das 2004 gegründete Unternehmen erreicht damit zum Börsenstart eine Marktkapitalisierung von 1,2 Milliarden Dollar.

Das Besondere an Redfin ist die Tatsache, dass es die Stärken der Online- und Offline-Welt optimal verbindet. Das Unternehmen hat für seine Online-Plattform eine spezielle kartenbasierte Suche erfunden, die sehr detaillierte Objektbeschreibungen in insgesamt 84 Teilmärkten der USA bietet. Um aus den Internet-Interessenten Kunden zu machen beschäftigt Redfin einen eigenen Stamm an Immoblienverkäufern, die die Immoblientransaktion physisch abwickeln. Im Gegensatz zu traditionellen Immobilienmaklern, die eine Vermittlungsgebühr zwischen fünf und sechs Prozent verlangen offeriert Redfin seinen Service mit Raten von 1-1,5 Prozent sehr preisaggressiv.

Darüber hinaus bestehen Kooperationen mit weiteren 3.100 Immobilienmaklern, die für Redfin als externe Partner arbeiten. Das Online-Portal erfreut sich wachsender Beliebtheit: Allein im ersten Quartal stieg die Besucherzahl um 44 Prozent auf hochgerechnet 20 Millionen Besucher pro Jahr. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2016 verbuchte Redfin Umsätze in Höhe von 267 Millionen Dollar (+43 Prozent gegenüber 2015). Der Verlust konnte auf 22,5 Millionen Dollar gegenüber 30,3 Millionen Dollar in 2015 deutlich eingedämmt werden. Das erste Quartal 2017 brachte nochmals einen Umsatzschub von 44 Prozent. Gespannt werden Anleger und Anlaysten in den nächsten Jahren auf den Vergleich mit dem bereits börsennotierten Konkurrenten Zillow schauen. Dieser ist mit einer Marktkapitalisierung von rund acht Milliarden Dollar und einem Umsatz von 847 Millionen Dollar (2016) nicht nur um einiges größer, sondern auch schon profitabel.

Nachdruck aus Börse Online

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