Noch vor fünf Jahren gab es eine große Portion Skepsis von Investoren über die Tragfähigkeit von Open Source als Geschäftsmodell. Red Hat wurde von Investoren als Eintagsfliege in diesem Segment angesehen. Der frühere Microsoft Chef Steve Ballmer führte einen wahren Kreuzzug gegen quelloffene Software und bezeichnete sie gar als „Krebsgeschwür“ oder anders ausgedrückt als minderwertige Software, die auf keinen Fall in unternehmenskritische IT-Umgebungen eingeschleust werden sollte. Die Skepsis ist inzwischen einer regelrechten Euphorie gewichen. Abzulesen an der geplanten 32 Mrd. Dollar Übernahme von Red Hat durch IBM aber auch durch den 7,5 Mrd. Dollar schweren Kauf von Github, dem Facebook für Entwickler und führenden Open Source Entwicklerportal, just durch Microsoft. Die Liste erfolgreicher Übernahmen und IPOs lässt Anlegerherzen höher schlagen: MuleSoft, ein Softwareintegrationsspezialist, wurde kurz nach dem Börsengang für 6,5 Mrd. Dollar von salesforce übernommen. Der Datenbankanbieter MongoDB wird inzwischen mit rund 5,3 Mrd. Dollar, das Infrastrukturunternehmen für Suchmaschinen Elastic mit ca. 6,5 Mrd. Dollar und das fusionierte Unternehmen aus Cloudera und Hortonworks wird mit einer Marktkapitalisierung von mehr als vier Milliarden Dollar bewertet. Darüber hinaus gibt es mit Confluent, HashiCorp, DataBricks, Kong, Cockroach Labs eine wachsende Gruppe von beeindruckenden Start-ups und Unicorns, die aufgrund ihrer Technologie und hohen Wachstumsraten als kommende Börsenkandidaten gehandelt werden. Was sind nun die Gründe, die die Wall Street und Investoren dazu bewegen, diesen Open Source Unternehmen derartig hohe Bewertungsmultiplikatoren zuzugestehen? Ganz ähnlich wie sich ein guter Blog-Post oder ein Tweet viral verbreitet, nutzen außergewöhnliche Open-Source Software Netzwerkeffekte. Entsprechend verbreitet sich diese Software über Portale wie GitHub mit hoher Viralität. Folgerichtig ist ein klassischer Software Vertrieb auch nicht mehr vonnöten. Folgerichtig sind diese Geschäftsmodelle hocheffizient bei geringem Barmitteleinsatz. Selbst Börsenaltmeister Warren Buffett nimmt vom Open Source Thema Notiz und investierte zuletzt in Red Hat. Er verspricht sich ein lukratives Arbitrage Geschäft.

Nachdruck aus Börse Online

Menü