Mehrfach habe ich in den letzten Monaten in dieser Kolumne darauf hingewiesen, dass die Zeit reif ist für Mega-Übernahmen im Silicon Valley. Microsoft mit der angekündigten Übernahme von LinkedIn und Tesla mit dem geplanten Kauf des Solarunternehmens SolarCity setzen die Konkurrenz in den Segmenten Cloud-Computing und Elektromobilität unter Druck. LinkedIn verfügt mit über 400 Millionen Mitgliedern einen riesigen und noch dazu täglich stark wachsenden Mitglieder- und Kundenstamm. Microsoft ist der führende Cloud-Software Anbieter und LinkedIn das weltweit führende Geschäftsnetzwerk – beide verfügen also über einen großen „Burggraben“ (Moat) und können sich bei neuen Angeboten für Firmenkunden perfekt ergänzen. Gelingt es Microsoft Office 365 nahtlos in LinkedIn zu integrieren und daraus Kundennutzen in Form von Produktivitäts- und Komfortgewinnen zu generieren, dann dürfte dies ein Game-Changer für das Cloud-Computing sein. Elon Musk, Chef von Tesla, SpaceX und Aufsichtsratsvorsitzender von SolarCity ist immer für eine Überraschung gut. Die Ankündigung der Übernahme von SolarCity durch Tesla hat für viele Aktionäre einen negativen Beigeschmack. SolarCity wird von einem Cousin von Elon Musk geführt und hatte zuletzt im Geschäft und an der Börse deutlich geschwächelt. Analysten und Aktionäre finden die Transaktion nicht gut und sendeten den Aktienkurs von Tesla erstmal in den Keller. Aktuell hat Elon Musk eigentlich alle Hände voll zu tun, dass er die Auslieferungen des neuen Volumenmodells Tesla Model 3 erfolgreich stemmen kann. Ausserdem wurde letzte Woche kolportiert, dass Musk mit den chinesischen Behörden über ein milliardenschweres Joint-Venture für die Produktion von Teslas in China verhandelt. In der Vergangenheit lag Musk mit seinen messerscharfen visionären und äußerst riskanten Manövern immer richtig. Musk sieht die Elektroautaus als Bindeglied, um zusammen mit SolarCity und dem Bau der Stromspeicherlösung PowerWall einen neuen intelligenten Stormkonzern des 21. Jahrhunderts zu schaffen. Während die deutsche Automobilindustrie sich gerade mühsam mit der Digitalisierung und Elektromobilität anfreundet, ist Musk in seiner Umsetzungsstrategie den Anderen wieder mal enteilt.

Nachdruck aus Börse Online