LinkedIn Gründer Reid Hofmann, inzwischen prominenter Risikokapitalgeber und Verwaltungsratsmitglied bei Microsoft, sorgt mit seinem neuen Buch „Blitzscaling“ wieder einmal für Gesprächsstoff unter Investoren und Gründern im Silicon Valley. Angetrieben durch die Geldschwemme der Notenbanken und der ultraniedrigen Zinsen haben sich die Risikokapitalgeber des Tech-Tals der „Blitzkrieg“ Methodik der deutschen Wehrmacht aus dem zweiten Weltkrieg bedient. „Blitzscaling“ bedeutet nichts anderes als jungen aufstrebenden Start-ups einen nahezu unbegrenzten Scheck für ihre Expansion auszustellen und frei nach dem bisherigen Facebook Motto „Move fast and break things“ ohne Rücksicht auf Verluste zu expandieren. Mit dem Fahrdienstleister Lyft wagt sich nun ein prominentes Exemplar dieser Spezies an die Börse. Lyft wurde erst im Jahr 2012 von Logan Green und John Zimmer als Fahrdienstvermittler für amerikanische Hoschulen gegründet. Inzwischen ist es hinter Uber mit einem Marktanteil von 39 Prozent der zweitgrösste On-Demand Fahrdienstleister in den USA. Der nun veröffentlichte Börsensprospekt offenbart die finanziellen Eckpunkte des Unternehmens: Lyft konnte im Geschäftsjahr 2018 einen Umsatz von 2,1 Mrd. Dollar verbuchen, ein Anstieg gegenüber 2017 von über 100 Prozent und gegenüber 2016 gar von über 600 Prozent. Das Umsatzwachstum ist allerdings teuer erkauft: Allein in den zurückliegenden drei Jahren beliefen sich die kumulierten Verluste auf 2,2 Mrd. Dollar. Prominente Investoren wie PayPal Gründer Peter Thiel, Fidelity, aber auch General Motors und Alphabet pumpten bisher rund 4 Mrd. Dollar Risikokapital in Lyft. Beim Börsengang könnte eine Bewertung von 15-20 Mrd. Dollar aufgerufen werden. Bisher ist Lyft nur in den USA tätig und gibt sich im Gegensatz des skandalumwitternden Rivalen Uber als handzahm. Lyft will nichts weniger als „das Leben der Menschen mit dem weltweit besten Transportservice bereichern“. Grösster Kostenblock sind die Fahrer. Folgerichtig benennt Lyft als eines der grössten Risiken für seine Zukunft den Durchbruch beim autonomen Fahren. Lyft Investor Alphabet wiederum verfügt mit seiner Tochter Waymo über die dafür notwendige Technologie, woraus sich genug Investorenfantasie spannen lässt.

Nachdruck aus Börse Online

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