Wachstumsverwöhnte Anleger rieben sich nach Bekanntgabe der Quartalszahlen von LinkedIn die Augen. Das Unternehmen übertraf wie so häufig in der Vergangenheit die Analystenschätzungen für Umsätze und Gewinne im abgelaufenen Quartal deutlich. Doch CEO Jeff Weiner gab einen deutlich reduzierten Ausblick für das Geschäftsjahr 2016. Die Reaktion der Börse war in der Folge heftig, ging es doch nachbörslich mit der Aktie um 30% nach unten. Ist die Erfolgsgeschichte von LinkedIn damit zu Ende? Mitnichten. Und hier kommt Warren Buffett mit seinen bekannten fünf Thesen zur Selektion attraktiver Aktien ins Spiel. 1. Kaufe qualitativ hochwertige Aktien, wenn sie vom Markt abgestraft werden: Mit einem Tagesverlust von 30% und einer Kursnotiz 50% unterhalb der Allzeithochs erscheint die Bewertung bei einem Umsatzmultiple von knapp 5 für einen Wachstumswert wie LinkedIn attraktiv. 2. Kaufe Aktien von Unternehmen die Monopolcharakter haben: Buffett sucht nach Unternehmen die eine einzigartige Wettbewerbsstellung im Markt haben und damit über entsprechende Preismacht verfügen. LinkedIn verfügt über aktuell 400 Mio. Mitglieder in mehr als 200 Ländern und ist das dominierende digitale Businessnetzwerk. 3. Kaufe Aktien von Unternehmen mit einfachem Geschäftsmodell: Die einzigartigen Services für Unternehmen, Personalvermittler und Stellensuchende führen zu einer hohen Bindung an LinkedIn. Die exzellente Datenbasis von 400 Mio. Mitgliedern kann nur schwer von einem neuen Konkurrenten dupliziert werden. LinkedIn erzielt Erträge von $22 pro aktivem Mitglied, Facebook liegt bei lediglich $8 und Twitter bei lediglich $4. 4. Kaufe Aktien von Unternehmen mit exzellentem Management: Jeff Weiner als CEO und Reid Hoffman als Gründer arbeiten seit 2009 in kongenialer Weise in der strategischen und operativen Ausrichtung von LinkedIn zusammen. 5. Internationales Geschäft: 40% der Umsätze und 70% der Mitglieder stammen außerhalb der USA. Mit einer eigenständigen chinesischen App forciert LinkedIn den Geschäftsaufbau im Reich der Mitte und könnte zu den grössten Profiteuren der neuen chinesischen Wirtschaftsausrichtung hin zur Internet- und Dienstleistungswirtschaft werden.

Nachdruck aus Börse Online