Die Hauptversammlungen von Berkshire Hathaway werden von Warren Buffett gerne als das „Woodstock für Kapitalisten“ bezeichnet. Anfang Mai war es wieder einmal soweit. Investoren und Medienvertreter hängen an jedem Wortfetzen von Buffett und seines Kompagnons Charlie Munger. Die Aussagen hatten es diesmal in sich. Buffett ging ausführlich auf die fünf großen Tech-Unternehmen Apple, Microsoft, Amazon und Alphabet ein ohne sie konkret beim Namen zu nennen. Faszinierend sei wie diese Unternehmen ohne großen Kapitaleinsatz wachsen würden. Buffett und Munger sind dafür bekannt, dass sie Geschäftsmodelle lieben, die wenig kapitalintensiv sind.

Doch Buffett musste auch eingestehen, dass er Investmentgelegenheiten wie Alphabet und Amazon verpasst hat. Insbesondere Alphabet schmerzt ihn und Munger, war doch Buffetts Autoversicherer Geico einer der ersten und grössten Kunden von Google. Einige kritische Analysten bemäkeln denn auch, dass Buffett den Zug der Zeit verpasst habe und sein Portfolio nicht stärker in Richtung Digitalisierung ausgerichtet hat. Schon einmal, Ende 1999 kurz vor dem Höhepunkt der dot.com Blase, titelte das einflussreiche amerikanische Anlegermagazin Barrons „What’s wrong Warren“, also was läuft schief. Buffett hatte damals einen weiten Bogen um Techaktien aufgrund hoher Bewertungen gemacht. Er sollte damals recht behalten, denn wenige Monate später platzte die Blase. Sein 93jähriger Mitstreiter Charlie Munger hält es für ein gutes Zeichen, dass Berkshire zuletzt einen bedeutenden Anteil an Apple erworben hat. Buffett sei eben auch mit knapp 87 Jahren bereit dazuzulernen.

Die Kassen von Berkshire sind prall gefüllt. Beide halten aufgrund der weiterhin niedrigen Zinsen eine Megaübernahme von 100 – 150 Milliarden Dollar für möglich. Mit dem Netzwerk- und Cloud-Spezialisten Cisco böte sich aktuell ein ideales Zielobjekt. Das Unternehmen verfügt über eine Marktkapitalisierung von 159 Milliarden, generiert einen Cash Flow von 13,5 Milliarden und verfügt über einen Barmittelbestand von rund 80 Milliarden Dollar. Buffett könnte zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: sich mit Cisco ein sehr kapitalstarkes Unternehmen einverleiben und dringend notwendige Digitalkompetenz für seine anderen Geschäftszweige hereinholen.

Nachdruck aus Börse Online

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