Das Silicon Valley ist elektrisiert von dem neuen Hype um die künstliche Intelligenz. Bereits in den 1960er Jahren erlebte die Vision von denkenden Maschinen eine erste Euphoriewelle. Auf die Begeisterung folge schnell Ernüchterung. Doch nun scheint alles anders zu sein und die künstliche Intelligenz scheint vor ihrem Durchbruch zu stehen. Zwei wichtige Voraussetzungen sind nun gegeben: Sowohl die Rechenleistung von Mikroprozessoren als auch die digitalen Datenbestände sind dramatisch angewachsen. Die Hauptprotagonisten beim maschinellen Lernen waren bisher die Internet Datenkraken Amazon, Facbeook, Google aber auch Microsoft und IBM mit seinem Watson Computer. Um Apple und Intel, den beiden Silicon Valley Dinos, war es lange Zeit still um das Thema künstliche Intelligenz. Apple war mit seinem Siri-Sprachassistenten vor fünf Jahren zunächst führend, aber Google mit Google Now und Amazon mit seiner Echo Sprachbox gelten in der Zwischenzeit in der Öffentlichkeit und bei Finanzanalysten als die wahren Innovationstreiber. Nun scheinen aber sowohl Apple als auch Intel nahezu gleichzeitig aufgewacht zu sein und überzeugen mit zwei interessanten Akquisitionen im Bereich des maschinellen Lernens. Apple übernahm für rund $200 Mio. die KI-Plattform Turi. Die Algorithmen von Turi sind darauf spezialisiert, Muster in Nutzungsdaten von Kunden zu finden und Betrugsversuche aufzudecken. Und genau hier wird es spannend: Apple verfügt mit iTunes aber auch mit den über einer Milliarde verkauften iPhones über einen riesigen Datenpool, die sich nun für neue kommerzielle Datendienste nutzen lassen. Apple CEO Tim Cook sprach kürzlich in einem Interview mit dem Silicon Valley Branchenblatt „Fast Company“ davon, dass man bei den Geschäftszahlen von iTunes erst ganz am Anfang stünde und dabei stapelt er wieder mal tief. Allein iTunes generiert mehr Umsatz als Facebook und würde als eigenständiges Unternehmen im S&P 500 notieren. Intel hingegeben verfolgt mit der Übernahme des KI-Spezialisten Nervana das Ziel, seine Innovationsführerschaft bei Mikroprozessoren mit dem Slogan „Intelligenz Inside“ wiederzuerlangen und den Chips künstliche Intelligenz zu implantieren.

Nachdruck aus Börse Online