Das Silicon Valley wirkt auf Menschen wie Firmen gleichermassen als Jungbrunnen. Umso erstaunlicher ist es, wenn Technologieunternehmen in reiferen Phasen im Alter von Mitte 30 die gleiche Strahlkraft haben wie junge Start-ups. Adobe ist ein herausragendes Beispiel für die ständige Neuerfindung im Silicon Valley. Das Unternehmen ging wie viele erfolgreiche Firmen aus dem Xerox Parc hervor. John Warnock, einer der Gründer von Adobe, erfand dort die Seitenbeschreibungssprache InterPress. Xerox hatte dafür aber keine Verwendung.

Warnock gründete in der Folge mit einem Partner Adobe und kommerzialisierte unter dem Namen PostScript das Produkt. Es kam genau zum richtigen Zeipunkt. Postscript, als Protokoll für viele Anwender unsichtbar, war ein elementar wichtiger Baustein für die Anbindung der PCs und Apple-Computer an Laserdrucker. Der Begriff des Desktop Publishing war geboren, d.h. das Setzen von Layouts am Computer und das anschließende exakte Ausdrucken, dank PostScript. Darauf aufbauend entwickelte Adobe eine breite Produktpalette für Grafiker, Designer, Filmschaffende und Webdesigner. Auch der plattformübergreifende PDF-Standard kommt aus der Adobe Softwareschmiede. Adobe hat sich auf diesen Lorbeeren aber nicht ausgeruht.

Als erstes großes Softwareunternehmen hat Adobe schon vor fünf Jahren den Schwenk in die Cloud in Angriff genommen. Zunächst waren Analysten wie Anleger davon wenig begeistert, opferte man doch die hohen einmaligen Lizenzgebühren einer geringen monatlichen Cloud-Gebühr. Der Aktienkurs brach zunächst ein. Doch wie Phoenix aus der Asche greift die Strategie und Adobe liefert von Quartal zu Quartal immer bessere Zahlen ab. Zuletzt vermeldete Adobe ein Umsatzwachstum von über 20 Prozent und gar ein Gewinnwachstum von 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Kosteten manche Adobe Produkte früher mehrere tausend Dollar Lizenzgebühren, sind sie nun durch eine monatliche Abo-Gebühr für ganz neue Zielgruppen erschwinglich. Dies befeuert das Wachstum. Jeder neu hinzukommende Kunde steigert die ohnehin schon hohen Margen. Adobe setzt weiter auf Innovationen und nutzt überschüssige Liquidität für den Rückkauf von Aktien. Das Unternehmen ist also bestens gerüstet für die nächsten 35 Jahre!

Nachdruck aus Börse Online