Mehr als 20 Jahre ist es her, als im Dezember 1996 der frühere amerikanische Notenbankpräsident Alan Greenspan die Wall Street mit seiner Rede über den „irrationalen Überschwang“ der Märkte kurzfristig auf dem falschen Fuß erwischte. Greenspan war der lange Kursanstieg seit Mitte der 1980er Jahre nicht mehr geheuer. In seiner Badewanne entwickelte er die inzwischen legendäre Rede. Kern seiner Aussage war, dass die nachhaltig geringere Inflation eine stabile Zukunft versprechen und geringere Risikoprämien zu höheren Aktienbewertungen führen würden. Mit seiner Rede wollte Greenspan dezent Luft aus den Börsenkursen lassen. Doch die Märkte ignorierten seine Aussage und was folgte war eine mehr als dreijährige Hosse Phase der Aktienmärkte. Insbesondere die US-Technologiebörse Nasdaq und der Neue Markt in Frankfurt gingen nahezu senkrecht nach oben, Börsengänge von verlustreichen Technologieunternehmen wurden den Händlern aus den Händen gerissen und verdoppelten sich meist am ersten Handelstag. Umso stärker war die anschließende Korrektur mit mehr als 80 Prozent Kursverlusten im Nasdaq. Zwanzig Jahre später sehen wir wieder ähnliche Verhaltensmuster. Mit dem Cloud-Speicherunternehmen Dropbox ging kürzlich eines der bekanntesten Silicon Valley Start-ups an die Börse. Gleich am ersten Handelstag gewann die Aktie mehr als 40 Prozent. Kein Pappenstiel, wenn man bedenkt, dass das Unternehmen damit rund 12 Milliarden Dollar auf die Wage bringt und zuletzt einen Jahresverlust von 111 Mio. Dollar einfuhr. Ähnlich wie Snapchat im vergangenen Jahr betonte Dropbox im Börsenprospekt, dass es wohl niemals profitabel sein würde. Positiv zu vermerken ist allerdings, dass Dropbox mehr als 11 Mio. zahlende Kunden hat, woraus das Unternehmen letztes Jahr einen Umsatz in Höhe von 1,11 Mrd. Dollar bei einer positiven Cash-Flow Marge von 28 Prozent erzielte. Die positive Aufnahme an der Wall Street zeigt, dass Investoren hungrig auf Neuemissionen aus dem Technologiebereich sind. Zahlreiche hochgehandelte Unicorns wie Uber und Co. stehen in den Startlöchern. Das zuletzt durch Facebooks Datenskandal ramponierte Image der Tech-Unternehmen braucht dringend eine Blutauffrischung an der Wall Street. In der nächsten Kolumne werden wir auf die möglichen IPO-Hoffnungsträger schauen.

Nachdruck aus Börse Online

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