Während die Wall Street an der Ostküste mit ihren Bankern und Hedge Fonds das Etikett der gierigen Investmentbanker trägt, war die Welt im Silicon Valley an der Westküste bis vor Kurzem noch in trauter Ordnung. Bei Politikern und Unternehmenskapitänen gelten Trips ins Silicon Valley frei nach dem Motto „Reisen bildet“ inzwischen als schick. Gerne bekommen die wißbebierigen Reisenden von den Silicon Valley Vordenkern zu hören, dass sie angetreten sind die Welt mittels Technologie zu einem besseren Ort zu machen. Nachdem bereits im letztjährigen US-Wahlkampf Donald Trump auf die wachsende Ungleichheit und die große Zahl an Digitalisierungsverlierern in der amerikanischen Gesellschaft hingewiesen hat, bekan die bisher so glanzvolle Silicon Valley Fassade in den letzten Wochen merkliche Kratzer. Der Investor Steve Jurvetson von der berühmten wie legendären Risikokapitalfirma Draper Fisher Jurvetson, die Unternehmen wie Twitter, Skype, Tesla, SolarCity, SpaceX oder Baidu mit ihren Finanzschecks zu Milliardenunternehmen geformt hat, steht im Verdacht Frauen bei Start-ups sexuell belästigt zu haben. Jurvetson ist nicht irgendein Investor. Er ist eine Legende und sitzt in den Aufsichtsräten von Elon Musks Unternehmen Tesla und SpaceX. Obschon er die Vorwürfe bestritt und gerichtliche Gegenmaßnahmen einleiten wird, wurde er von seiner Risikokapitalfirma umgehend suspendiert. Jurvetson reiht sich damit ein in eine längere Schlange an einflußreichen männlichen Persönlichkeiten des Silicon Valley, die in ihrer Hybris des immer „schneller, höher und weiter“ die Bodenhaftung und damit auch den Anstand verloren haben. Reid Hoffmann, Gründer von LinkedIn und inzwischen auch Risikokapitalgber und Verwaltungsrat von Microsoft sieht dringenden Handlungsbedarf für Reformen im Silicon Valley. Das man gerade mit Geld das korrumpierte System auch verbessern kann, zeigt Softbank Gründer Masajoshi Son. Mit seinem 100-Milliarden Fonds mischt er das Silicon Valley auf und investierte zuletzt rund 10 Milliarden Dollar in den Fahrdienstvermittler Uber. Einzige Bedingung: Der cholerisches und rücksichtlose Uber-Gründer Travis Kalanik müsse seinen Hut nehmen. Die restlichen Investoren gaben dem Anliegen schließlich statt.

Nachdruck aus Börse Online

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