Daten werden gemeinhin als das Öl des 21. Jahrhunderts bezeichnet. Um in dieser Bildsprache zu bleiben: Die neuen Ölmultis sind die Big Data Unternehmen, die aus riesigen Datenbeständen Muster herauslesen, die für Unternehmen im Informationszeitalter von geschäftskritischer Bedeutung sind. Immer mehr Firmen wollen es den großen Datenkraken Alphabet und Facebook gleichtun und ihre gesammelten Daten zielgerichtet nutzen. Einer der führenden Anbieter ist Cloudera mit Sitz im kalifornischen Palo Alto. Das Unternehmen wurde bezeichnenderweise von drei Ingenieuren von Google, Yahoo und Facebook und einem ehemaligen Oracle-Manager gegründet. Alle vier haben umfangreiche Erfahrungen im Bereich Open Source und der aus Yahoo heraus entstandenen Open-Source-Softwarelösung Hadoop.

Cloudera adressiert mit seinen Hadoop-Lösungen größere Mittelständler und Großunternehmen wie den britischen Telekomkonzern BT Group oder die Großbank Citigroup. Das Geschäftsmodell von Cloudera fußt auf zwei Säulen: Die erste Säule besteht aus Softwarelösungen, die als kostenpflichtige Zusatzfunktionen für die kostenlose OpenSource Hadoop-Software angeboten werden. Die zweite Säule besteht aus Beratung, Inbetriebnahme und Wartung von Hadoop-Lösungen bei Kunden. Seit 2014 sind mit Intel und Dell zwei große Hardwarehersteller als Investoren bei Cloudera eingestiegen. Ziel ist der gegenseitige Know-how-Transfer und Vertriebsanstrengungen im Firmenkundensegment.

Insgesamt flossen in Cloudara seit der Gründung bereits 1,2 Milliarden Dollar Risikokapital. Nicht ohne Grund versuchen die Geldgeber nun Cloudera mit einer Bewertung von rund 4 Milliarden Dollar an die Börse zu bringen. Die Bewertung ist sehr sportlich, schaut man sich die Geschäftszahlen von Cloudera näher an. Für das Fiskaljahr 2017 verbucht das Unternehmen bei einem Umsatz von 261 Millionen Dollar einen Verlust von 187 Millionen Dollar. Der wunde Punkt liegt in den hohen Marketing- und Vertriebsaufwendungen. Diese stiegen sogar von 161 Millionen auf 203 Millionen Dollar. Big Data Konkurrent Hortonworks ging im Dezember 2014 an die Börse. Der Kurs ging in der Folge von 26 auf unter 10 Dollar zurück. Anleger sollten sich bei Cloudera in Geduld üben und erstmal abwarten.

Nachdruck aus Börse Online

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