Cisco Systems sorgte in der vergangenen Woche mit der 3,7 Mrd. Dollar Übernahme des Cloud Unternehmens AppDynamics für einen Paukenschlag im Silicon Valley. Erst vor zwei Wochen wies ich an dieser Stelle auf den anstehenden IPO von AppDynamics und das generell attraktive B2B-Software Segment hin. Mit AppDynamics gewinnt Cisco das führende Cloud-Computing Unternehmen für die Messung und Überwachung der Leistungsfähigkeit von heterogenen Softwareanwendungen und Plattformen.

Kostbar an AppDynamics ist ihr Datschatz. Das Unternehmen sammelt große Datenmengen über Anwendungen, Vernetzungen zwischen Softwaresystemen und den damit verbundenen Geräten. Cisco war lange Zeit der Darling der Investoren und wurde Anfang 2000 zum wertvollsten Unternehmen der Welt. In den letzten Jahren fehlte Cisco der Glamour-Faktor. Schmerzlich für Cisco war, dass die Social Media und Streaming Giganten Alphabet, Facebook und Netflix als Nutznießer der weltweiten Cisco Netzwerkinfrastrukur den Internet Pionier in der Anlegergunst um Längen schlugen.

Der langjährige CEO und heutige Chef des Verwaltungsrates, John Chambers, arbeitet an einem Imagewechsel und positioniert Cisco über internationale Werbekampagnen als das führende Unternehmen für das Zeitalter des »Internets der Dinge«. Die Anzahl der weltweit vernetzten Geräte steigt explosionsartig. Treiber sind im Consumer-Bereich die Smartphones sowie digitale Uhren und intelligente Sensoren sowie im Unternehmensumfeld die Vernetzung von Firmen und der Produktionsprozesse unter dem Stichwort Industrie 4.0. Und genau hier kommt AppDynamics ins Spiel: das Unternehmen verfügt mit seiner marktführenden Softwaremanagementplattform und Erfahrungen mit Großkunden wie IBM, Salesforce und Cisco über ideale Voraussetzungen im Management digitaler Prozesse.

Cisco hat in der Vergangenheit bewiesen, dass es zugekaufte Unternehmen und deren Produkte schnell in seine Vertriebsprozesse integrieren und monetarisieren kann. Cisco selbst wird auch immer wieder als potenzieller Übernahmekandidat gehandelt. Der hohe Cash-Bestand von über $60 Mrd., ein Cashflow in Höhe von $12 Mrd. und ein im Verhältnis niedriger Börsenkurs könnten Private-Equity-Gesellschaften anlocken.

Nachdruck aus Börse Online