Die Medien stilisieren die aktuelle Auseinandersetzung um die Zölle mit Europa und insbesondere mit China als „Handelskrieg“ dar. Doch tatsächlich verbirgt sich hinter dem martialisch und auf offener Bühne ausgetragenen Disput ein „High Tech Krieg“ um die Führungsposition im 21. Jarhundert. Die wichtigste chinesische Agenda läuft unter dem Label „China 2025“ und ist eine Blaupause der deutschen Industrie 4.0 Initiative. Chinas Parteiführung will mit ihrem ehrgeizigen Programm bis 2025 in insgesamt zehn Schlüsselindustrien wie der künstlichen Intelligenz, Robotik sowie der Medizin- und Raumfahrttechnik die USA und Europa einholen und technologisch autark werden. Noch ist China besonders von westlicher Technologie, insbesondere bei Microchips und Halbleitern abhängig. Zuletzt bekam dies der chinesische Telekomriese ZTE durch die Lieferblockaden aus den USA deutlich zu spüren, was das Unternehmen an den Rand der Insolvenz treibt. Bis 2025 plant die chinesische Regierung deshalb den Anteil der verbauten Halbleiter von aktuell 10 Prozent auf 70 Prozent zu erhöhen. Hierzu bedarf es gewaltiger Anstregungen. Für den „Know-how Transfer“ ist dabei jedes Mittel recht. Insbesondere Akquisitionen und Beteiligungen an US-Techunternehmen, mit Schwerpunkt Silicon Valley sind dafür ein probates Mittel. Zuletzt intervenierte Donald Trump erfolgreich bei der über 100 Mrd. schweren Übernahme des Telekommunikationskonzerns Qualcomm durch den asiatischen Halbleiterhersteller Broadcom. Qualcomm führend auf dem Gebiet des revolutionären Mobilfunkstandards 5G ist ein technologisches Kronjuwel. Medienwirksam stellte „Chinas Google“ Baidu vergangene Woche seinen ersten Chip für künstliche Intelligenz vor. Er soll die neuen Geschäftsfelder von Baidu in den Segmenten autonomes Fahren und in der Medizindiagnose zum Erfolg führen. Während amerikanische Investoren sehnsüchtig auf die lange erwarteten IPOs der Unicorns Uber und Airbnb warten, machen die Chinesen auch am Kapitalmarkt ernst: Xiaomi, das chinesische Apple, führt aktuell ein milliardenschweres IPO an der Börse Hong Kong durch. Dies soll der Startschuss sein für weitere Mega-IPOs chinesischer Start-ups wie China Tower oder dem Uber Konkurrenten Didi Chuxing. Gespannt darf man deshalb auf die nächsten Schachzüge von Donald Trump sein.

Nachdruck aus Börse Online

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