Als das weithin bekannte Cloudsoftware-Unternehmen box im Frühjahr 2014 die erste Version seines Börsenprospekts veröffentlichte, war der Aufschrei an der Wall Street groß. Trotz hoher Wachstumsraten brachte Box das Kunststück fertig, für einen Dollar Umsatz das zweieinhalbfache, also $2,5 aufzuwenden. Viele Analysten sahen in box die nächste Geldverbrennungsmaschine. Aber der charismatische und intellektuell hoch gebildete Gründer und CEO von box, Aaron Levie, und sein ex-Studienkollege Dylan Smith als Finanzvorstand überzeugen die bisherigen Skeptiker vom genauen Gegenteil. Aaron Levie gerade mal 31 Jahre alt, kokettiert über sich selbst, dass er mehr graue Haare hat als Barack Obama. Levie hat aus box den Weltmarktführer für das Management von Unternehmensdokumenten in der Cloud geformt. Der Bereich gehört mit einem potenziellen Marktvolumen von $40 Mrd. zu den grössten Cloud-Segmenten überhaupt. Angesichts der kompletten Digitalisierung wirtschaftlicher Geschäftsprozesse und den steigenden Anforderungen an die regulatorischen Dokumentationspflichten wird schnell deutlich, wie attraktiv der Markt für box ist. Dementsprechend gibt Levie auch Vollgas und baut den Vertrieb massiv aus, was zunächst die Ausgaben überproportional zu den Einnahmen erhöht. Levie gelang nicht nur das Kunststück, sich zwischen den IT-Gorillas Microsoft, Salesforce und IBM zu behaupten, sondern diese sämtlich als Vertriebspartner zu gewinnen. Die neuen vertikalen Branchenlösungen für die Bereiche eGovernment, Finanzdienstleister und den Gesundheitssektor treffen zudem auf hohe Nachfrage. Zuletzt vermeldete das Unternehmen deutlich bessere Quartalszahlen. So konnte der Umsatz im abgelaufenen Quartal um 59% gesteigert werden, was eine Beschleunigung gegenüber dem Vorquartal mit einem Zuwachs von 37% bedeutet. Im Quartal konnten über 3.000 zahlende Firmenkunden gewonnen werden, darunter renommierte Unternehmen wie Home Depot, Intuit, AIG und Genentech. Box plant bis zum 1. Quartal 2017 Cash-Flow positiv zu sein. Sobald dieses Ziel in Reichweite kommt und die Wachstumsraten anhalten, dürfte der Wert auch im Aktienkurs nachhaltig anziehen. In der Zwischenzeit dürfte Aaron Levie noch das Eine oder Andere graue Haar dazubekommen.

Nachdruck aus Börse Online