Alle wichtigen Softwarehersteller nehmen immer mehr Abschied davon, einzelne Programmlizenzen zu verkaufen und haben sich stattdessen dem Megatrend Cloud-Computing verschrieben. Doch dies hat gravierende Auswirkungen auf die Unternehmensbilanzen. Konnten in der Vergangenheit die Softwarelizenzen nach Vertragsunterzeichnung beim Kunden sofort als Einnahmen verbucht werden, so hat der Strategiewechsel in die Cloud für viele Anbieter zur Folge gehabt, dass die Erträge auf die gesamte Laufzeit zu verteilen waren, die Kosten hingegen mussten sofort und vollständig aktiviert werden. Vielen Analysten stieß dies bitter auf. Als der Kreativsoftwarespezialist Adobe bereits vor fünf Jahren entschied, sein Geschäftsmodell konsequent auf die Cloud auszurichten, wurde dies von den Anlegern zunächst mit deutlichen Kursabschlägen quittiert. Inzwischen gehört Adobe zu den Cloud-Lieblingen, was sich in Kurszuwächsen von rund 500 Prozent über die zurückliegende Fünfjahresperiode eindrucksvoll zeigt. Softwareanbieter sehen sich nun ab Januar 2018 der sperrigen Bilanzierungsanweisung „ASC 606“ ausgesetzt, die Änderungen bei zwei entscheidenden Finanzkennziffern zur Folge hat: Umsätze und Profitabilität. Zukünftig muss der Investor die Bilanzen genauer unter dem Gesichtspunkt lesen, ob die Software beim Kunden oder beim Dienstleister gehostet wird. Wird die Software direkt beim Kunden installiert, muss der Softwareanbieter den Softwareumsatz sofort verbuchen. Die enstehenden Kosten hingegeben müssen zukünftig auf die gesamte Vertragslaufzeit verteilt und dürfen nicht mehr sofort aktiviert werden. Konsequenz: Börsengelistete Cloud-Softwareanbieter werden mit dem Jahr 2018 deutlich profitabler. Als heiße Kandidaten für positive Überraschungen in 2018 gelten der Dokumentenmanagementspezialist Box und der Infrastruktursoftwareanbieter Nutanix. Beide Unternehmen setzen voll auf Angriff und wachsen mit Raten von 30-50 Prozent. Sowohl Box als auch Nutanix sind jeweils Cash-Flow positiv und könnten im kommenden Jahr zu den Gewinnern gehören. Goldman Sachs sieht in Nutanix gar die Gelegenheit des Jahrzehnts im Bereich Software Infrastruktur. Nicht ohne Grund betont Altmeister Warren Buffett: „Buchhaltung ist die Sprache des Business.“

Nachdruck aus Börse Online

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