Bei der öffentlichen Berichterstattung über Alphabet stehen meist zwei Dinge im Blickpunkt: Die Suchmaschine Google mit dem Goldesel Werbegeschäft und die futuristischen „Moonshot“ Projekte der Gründer Larry Page und Sergey Brin in Form von Internet-Ballonen, Raumfahrtprojekten und ewigem Leben. Auf den ersten Blick scheint daran auch nichts falsches zu sein: Alphabet übertraf zuletzt bei seinen Quartalszahlen mit einem Umsatzsprung von 22 Prozent die Analystenschätzungen deutlich. Der Löwenanteil der Umsätze kommt nach wie vor aus dem Werbegeschäft. Insgesamt 21,4 Milliarden Dollar erlöste der Geschäftszweig Google.

Doch die Abhängigkeit von den noch sprudelnden Werbeeinnahmen birgt Risiken: Noch wächst zwar der Online Werbemarkt deutlich, doch immer mehr rückt der Rivale Facebook mit seiner Werbemaschinerie Alphabet auf die Pelle. Neue Umsatzträger sind also gefragt. Und die aktuellen Quartalszahlen zeigen dazu ermutigende Lichtblicke. Die unter dem Segment „andere Umsätze“ subsummierten Geschäfte mit den Google Play Apps, Hardware und der Google Cloud Plattform erzielten respektable Umsätze in Höhe von 3,1 Milliarden Dollar.

Die Wachstumsraten des Geschäftsbereichs lagen sogar bei 49 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Die Strategie das Cloud-Geschäft auszubauen scheint aufzugehen. Google CEO Pinchai erläuterte in der Analystenkonferenz, dass Google für das Cloudgeschäft so namhafte Kunden wie HSBC, Home Depot, Schlumberger, SAP und Colgate Palmolive gewinnen konnte. Google hat in den zurückliegenden Monaten sein Produktportfolio im Cloud- und Firmenkundenbereich deutlich ausgebaut und geht damit in direkten Wettbewerb mit den zwei großen Cloud-Platzhirschen Amazon und Microsoft. Doch Google hat eine wichtige Trumpfkarte, die es nun ausspielen kann: Als grösster Datensammler im Internet und Aufkäufer von Unternehmen im Bereich künstlicher Intelligenz bietet es nun über seine Cloud-Dienste maßgeschneiderte intelligente Datenanalysemethodiken zu konkurrenzlos günstigen Preisen an. Auch grössere Akquisitionen von Cloud Unternehmen kann sich Alphabet leisten. Das Unternehmen verfügte am Ende des ersten Quartals über einen Barmittelbestand von 92,4 Milliarden Dollar bei einem freien Cash-Flow von sieben Milliarden Dollar.

Nachdruck aus Börse Online