Die Alphabet Tochter Google plant einen massiven Ausbau des Cloud-Computing Geschäfts für Firmenkunden. In der vergangenen Woche wurde durch eine SEC Veröffentlichung bekannt, dass Google $380 Mio. für das Startup bebop bezahlt hat. bepop verfügt über eine neuartige Plattform, die eine schnelle und intuitive Entwicklung von Firmenkundensoftware möglich macht. Zudem wird die Gründerin von bepop, Diane Greene, neue Cloud-Chefin von Google. Diane Greene gilt im Silicon Valley als eine der profiliertesten Unternehmerinnen im stark wachsenden Segment des Cloud-Computings und war davor bereits CEO von VMWare.

Google Chef Pinchai plant im Cloud-Geschäft bis zum Jahr 2020 ein höheres Umsatzvolumen als im noch boomenden Werbegeschäft. Das „Brot und Butter“ Geschäft generiert nach wie vor über 90% der Einnahmen von Google. Analysten hinterfragen zurecht die hohen Investitionen innerhalb der Alphabet Holding in neue Geschäftsfelder wie Robotik und autonomes Fahren, die sich bisher außer dem Glamour-Faktor nicht in harte Dollars in der Alphabet Bilanz niederschlagen. Pinchai, Initiator des Google Chrome Browsers, steht entsprechend mächtig unter Druck und muss liefern. Zumal Google mit seinem Suchmaschinengeschäft das größte Cloud-Business der Welt auf eigenen Servern betreibt und somit schnell und flexibel neue Dienste wie Google Mail und Google Maps ausrollen konnte. Aktuell besteht das Cloud-Business von Google lediglich aus Google for Work, Google Apps und der Cloud-Plattform. Damit Pinchai die in ihn gesetzten Ergebnisvorgaben erreicht, wird er um weitere strategische Zukäufe nicht herumkommen. Heißester Kandidat könnte der in direkter Nachbarschaft von Google befindliche Cloud-Dokumentenspezialist Box sein. Die Platzhirsche im Cloud-Business für Firmenkunden sind pikanterweise mit Amazon und Microsoft zwei Unternehmen aus Seattle, also außerhalb des Silicon Valleys. Mit Salesforce hat Google zudem einen veritablen Konkurrenten im Silicon Valley direkt vor der Haustür. Salesforce hat sich in den letzten Jahren von einem reinen Customer-Relationship Softwareanbieter zu einer Business- und Entwicklungsplattform entwickelt – ein Weg den Google noch vor sich hat.

Nachdruck aus Börse Online