Der Vorteil des Last Movers

Was ist der beste Rat, den man Börseneinsteigern an die Hand geben kann? Meiner Meinung nach, auf die Investmentprinzipien der bedeutendsten Anleger zu schauen. Was liegt näher als sich die zwei Welten Technologie und Value Investing näher anzuschauen. Zwei der bedeutendsten Vorbilder in diesen Segmenten sind für den Bereich Technologie PayPal Gründer Peter Thiel und für Value Investing Börsenlegende Warren Buffett. 

Als exzellenter Kenner der Technologieszene und Internet-Unternehmer gelte ich als Erfinder des „Value-Investing“ in Technologieaktien. Dabe habe ich die Bewertungskonzepte der Value-Investoren Warren Buffett und Charlie Munger (Berkshire Hathaway) auf den Tech-Sektor übertragen. In meinen Bestsellern „Silicon Valley Investing“ und „Peter Thiel“ bin ich ausführlich den  Investment Geheiminssen von Thiel und Co für Technologieaktien auf den Grund gegangen.

Meine beiden Bücher “Silicon Valley Investing” und “Peter Thiel” geben einen einzigartigen Einblick in das Finanzökosystem Silicon Valley

Schon oft hat Warren Buffett als oberste Value-Ikone damit koketiert, dass er von neuen Technologien nichts verstehe und deshalb die Finger davon lasse. In jüngster Zeit jedoch hat sich das „Orakel von Omaha“ als Fan von Apple geoutet. Seine Holding Berkshire Hathaway besitzt in- zwischen Apple-Aktien im Gesamtwert von rund 50 Milliarden US-Dollar und ist damit größter Einzelaktionär.

Grund genug, hinter die Kulissen der Techszene zu blicken. In den Fußstapfen von Buffett bei Technologieinvestments bewegt sich Paypal- und Palantir-Gründer Peter Thiel. Er war auch der erste externe Investor beim damals noch unbekannten sozialen Netzwerk Facebook. Thiels Invest- ment-Erfolgsgeschichte sucht ihresgleichen. Addiert man die aktuellen Bewertungen von Paypal mit 100 Milliarden Dollar, Palantir mit 40 Milliar- den Dollar und Facebook mit 445 Milliarden Dollar, kommt man auf eine Summe von schier unglaublichen 585 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Buffetts Unternehmenskonglomerat Berkshire Hathaway, in über 50 Jahren aufgebaut, kommt auf eine Bör- senkapitalisierung von etwa 500 Milliarden Dollar.

Wie aber sieht der Investmentstil des Superinvestors Peter Thiel aus? Wer dieser Frage auf den Grund geht, entdeckt mehr Parallelitäten zu Buffett, als selbst mancher Eingeweihte denkt. Im Prinzip lässt sich Thiels Herangehensweise in vier Punkten zusammenfassen:

Klasse statt Masse: Thiel favorisiert das fokussierte Investieren in wenige Techunternehmen, deren Gründer und Geschäftsmodell ihn überzeugen. 

Kaufe nur, was du kennst: Thiel konzentriert sich auf einen überschaubaren Investitionsradius. Für ihn ist das Silicon Valley nach wie vor die Gegend mit der größten Innovationskraft. In einem Interview mit dem Magazin „Stanford Lawyer“ im Jahr 2011 sagte er, dass man mit einer Suchwahrscheinlichkeit von 50 Prozent innerhalb eines Radius von 20 Meilen das nächste großartige Techunternehmen finden kann. Investitionen in Länder wie China lehnt er wegen der unklaren Rechtsverhältnisse ab.

Von nichts kommt nichts: Für Thiel zählen disruptive Investments, welchedie Welt von null auf eins bringen, also solche, die fundamental etwas Neues schaffen. Viele Risikokapitalgeber sind hingegen stark risikoavers, scheuen echte Innovationen und setzen häufig auf „Me too“-Produkte, die höhere Sicherheiten versprechen. Anleger können daraus in der Folge aber keine hohen Renditen erwarten.

Gegen den Strom: Thiel bezeichnet sich nicht nur selbst als „Contrarian“, er handelt auch danach. Bezeichnend dafür ist seine Facebook-Investition im Jahr 2004, als es nach dem damaligen Dotcom-Crash nicht opportun war, in Internetunternehmen mit Fokus Endkunden (B2C) zu investieren. Exor- bitante Gewinne sind nur möglich, wenn man gegen den Trend investiert und bedeutende Innovationen als solche erkennt — und den richtigen Zeitpunkt dafür. Thiel sagt gerne, man solle durch die Türen gehen, die versteckt sind, abseits liegen und durch die niemand gehen will. Türen, vor denen sich Menschentrauben bilden, sollte man meiden.

Monopolstellung: Warren Buffett hat den Begriff des Burggrabens (englisch: Moat) für monopolartige Unter- nehmen geprägt. Am Beispiel Coca-Cola macht er dies mit folgender Frage- stellung plastisch deutlich: Was würde es kosten, Coca-Cola auf der grünen Wiese neu aufzubauen? Die Antwort ist sehr schwierig, der Preis sehr hoch. Doch man möchte Buffett entgegnen, dass es schließlich auch Wettbewerber wie Pepsi gibt.

Im Digitalbereich ist die Konkurrenz meist eher noch geringer. Es gibt in den USA nur einen dominierenden Smartphonehersteller (Apple), ein dominierendes soziales Netzwerk (Facebook), eine dominierende Suchmaschine (Google), ein dominieren- des E-Commerce-Kaufhaus (Amazon) und einen dominierenden Betriebssystemhersteller (Microsoft).

Google’s Dominanz der Internet Suche

Den Markt beherrschen — so geht’s

Damit ein Unternehmen einen Markt beherrschen kann, muss es folgende vier Ausprägungen zumindest teilweise erfüllen:

Proprietäre Technologien: Solche Technologien stellen Quasistandards dar. Das heißt, die Technologie hat eine so starke Stellung, dass sie eine sehr breite Verankerung im Markt hat. Bei- spiele sind die Betriebssysteme von Microsoft für Desktoprechner aber auch die mobilen Betriebssysteme iOS von Apple und Android von Google. 

Netzwerkeffekte: Erfolgreiche digitale Plattformanbieter wie Amazon, Facebook, LinkedIn und Paypal gewin- nen durch die Attraktivität ihrer Plattform immer mehr Kunden hinzu. Durch weitere Kunden wird die Plattform noch attraktiver und kann immer bessere Angebote bereitstellen. Mit je- dem neuen Kunden steigt der Mehrwert des Netzwerks. Sehr häufig bilden sich Netzwerkeffekte durch einen selbsttra- genden Aufschwung (Viralität). 

Economies of Scale: Skalierungsvorteile kommen immer bei hohen Fixkosten und niedrigen Grenzkosten ins Spiel. Für Thiel ist hier Amazon ein Paradebeispiel in der digitalen Welt und Walmart im klassischen Retailgeschäft. Beide erzielen mit weiterem Wachstum zusätzliche Effizienzgewinne. Sowohl Amazon als auch Walmart spielen dies für ihr weiteres Wachstum voll aus. Beide sind Preisführer und verfügen auch über eine starke Preissetzungsmacht. 

Marke: Für Thiel ist nach eigener Aussage die Marke am schwierigsten zu charakterisieren. Eine Marke ist für ihn ein Produkt, das für den Kunden nicht austauschbar ist und für das er auch bereit ist, mehr zu zahlen. Echte Marken, so Thiel, sind zwar schwer zu identifizieren, aber klar ist: Wenn man es schafft, eine Marke aufzubauen, dann hat man ein Monopol geschaffen.

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