Der Diabetes IPO

Mit Livongo Health schickt sich mitten in der Sommerzeit ein interessantes Medtech Unternehmen aus dem Silicon Valley an, den Gang an die Börse zu wagen. Das Geschäftsmodell des 2008 gegründeten Unternehmens basiert im Kern auf einer künstlichen Intelligenz Plattform, die chronisch Kranke unterstützt gesünder zu leben. Hierzu werden digitale Dienste für personalisiertes Patienten-Monitoring in Realtime, Beratung und medizinische Unterstützung angeboten. Schwerpunkt ist die Volkskrankheit Diabetes.

Livongo trifft damit gleich mehrfach den Nerv der Zeit. Mehr als 12 Prozent der erwachsenen US-Amerikaner sind von Diabetes betroffen. Die Vorstufe Prädiabetes wurde in einer landesweiten Querschnittstudie bei zusätzlichen 38 Prozent gefunden. Kaum besser die Situation in Deutschland: Rund sieben Millionen Menschen leiden an Diabetes. Laut einer Prognose des Deutschen Diabetes-Zentrums in Düsseldorf wird die Zahl bis 2040 gar auf zwölf Millionen Menschen steigen. Auch die Politik sieht Handlungsbedarf durch die Förderung von Präventionsmaßnahmen: Präsident Trump hat vor wenigen Wochen ein neues Dekret unterzeichnet, wonach die Heimbehandlungen und Früherkennung bei Nierenerkrankungen und Dialysen gefördert werden soll. 

Livongo Diabetes Ökosystem – Tablet, Smartphone und Blutzuckermessgerät bilden intelligente Einheit für Diabetes Patienten.

Bindeglied für die künstliche Intelligenz Plattform von Livongo ist ein intelligentes über das Smartphone verbundene Blutzuckermessgerät, was eine Nonstop-Überwachung bietet. Prüft der Patient seinen Blutzuckerspiegel, dann unterstützt die Livongo Diabetes Plattform den Patienten mit einem Echtzeit Coaching und sagt ihm genau was zu tun ist. In der Psychologie spricht man von „Nudge“ also „anschupsen“. Denn Disziplin ist ein ganz zentraler Aspekt, um chronischen Krankheiten wie Diabetes Herr zu werden. Livongo plant ein Emissionsvolumen von rund 230 Mio. Dollar, was das Unternehmen mit 1,86 Mrd. Dollar bewerten würde. Immerhin das 21fache der Umsätze. Ein stolzer Preis also zumal das Unternehmen noch deutliche Verluste schreibt. Allein in 2018 wurde ein Minus von 34,9 Mio. Dollar erzielt. Interessierte Anleger sollten das Unternehmen zunächst auf ihre Beobachtungsliste nehmen.

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