Alle Beteiligten in der Techinvestmentszene sind sich einig, dass die künstliche Intelligenz das „next big thing“ sein wird. Die Berater von McKinsey gehen einem aktuellen Bericht zufolge von einem Potenzial für die globale Wirtschaftsleistung bis zum Jahr 2030 von 13 Billionen Dollar aus, was einem Zuwachs von 16 Prozent entspräche. Logischerweise weckt dies Begehrlichkeiten bei allen Beteiligten. Die Ereignisse der vorangegangenen Woche verdeutlichen dies nochmals eindringlich. Ein Kampf der Systeme um die Vorherrschaft kündigt sich politisch und wirtschaftlich an. Der „Clash of Culture“ betrifft auf Länderebene China und die USA sowie auf Unternehmensebene Alphabet und Apple. Sowohl die USA als auch China ringen darum, die KI-Supermacht des 21. Jahrhunderts zu werden. „Wer in diesem Bereich die Führung übernimmt, wird der Herrscher der Welt werden“, so der russische Präsident Wladimir Putin im vergangenen Jahr. In Erweiterung des Handelskriegs mit China kündigte nun das US-Handelsministerium neue Beschränkungen für den Export von KI-Technologien wie neuronaler Netze, natürlicher Sprachverarbeitung, Bildverarbeitung und Expertensytemen an. Sollten die Vorschläge umgesetzt werden, müssten für alle Produkte, die diese Technologien nutzen, angefangen von einem Siri-fähigen iPhone bis zu IBMs Watson, spezielle Lizenzen beantragt werden, um es in andere Länder zu exportieren. Betroffen davon könnten auch die Chiphersteller Intel und Nvidia sein. Nvidia Chips versorgen Ubers selbstfahrende Autos und Microsofts Cloud-Computing Services Azure, sind aber auch in Produkten von Alibaba, Baidu und SenseTime, dem am höchsten gehandelten KI-Startup aus China, enthalten. Trump träfe China damit an einer der neuralgischsten Stellen. Immerhin importiert China fast dreimal so viele Chips wie es selbst produziert. Apple stärkte mit der in der letzten Woche bekanntgewordenen Übernahme des kleinen Startups Silk Labs seine Ambitionen im KI-Segment. Silk Labs verfügt über eine leichtgewichtige KI-Software die Apples Geräte intelligenter machen soll. Wettbewerber Alphabet verfolgt die entgegengesetzte Philosophie und setzt weiterhin auf die Verwertung der Nutzerdaten in der Cloud. Letztlich wird der Wettbewerb um die Gunst der Verbraucher dadurch entschieden, wessen Philosophie am meisten Akzeptanz erzielt.

Nachtrag aus Börse Online

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