Marc Zuckerbergs grosses Vorbild ist Bill Gates. Beide entstammen gutbürgerlichen ostküsten Familien, sind Computernerds, Studienabbrecher in Harvard und Visonäre. Während Gates die Vision umtrieb, jeden Privathaushalt mit einem PC auszurüsten ist Zuckerbergs Mission die Welt durch sein soziales Netzwerk zum globalen Dorf zu machen. Doch schon vor Jahren war ihm dies zu wenig. Facebook sollte zur Plattform und zum Betriebssystem des 21. Jahrhunderts werden und damit die Nachfolge seines großen Vorbilds Bill Gates antreten. Zentrales Mittel dafür war die Idee Drittentwicklern und Firmen die Möglichkeit zu bieten Apps auf der Facebook Plattform zu entwicklen und der Facebook Community anzubieten. Der App Store von Apple war die Blaupause. Doch im Gegensatz zu Apple, die hohe Qualitätsstandards bei Apps vorsehen nahm man bei Facebook vieles nicht so genau. Schließlich lautete das von Zuckerberg einst ausgegebene Motto lange Zeit „move fast and break things“. Zwar hat er sich in der Zwischenzeit von diesem Slogan entledigt, doch die Altlasten fallen ihm nun mannigfaltig vor die Füße. Eine Melange aus belastenden internen eMails, hässliche PR Kampagnen, Leugnungen und Denunziationen stellen Zuckerberg nun vor die grösste Herausforderung als Facebook Vorstand. Ein britischer Parlamentsausschuss hat vergangene Woche ein Pamphlet im Umfang von 250 Seiten interner Facebook Dokumente veröffentlicht. Demnach war der Cambridge Analytica Skandal nur die Spitze des Eisbergs. Facebook hat bestimmten Anbietern wie AirBnB und Netflix erlaubt auf die persönlichen Freundschaftsdaten der Nutzer zuzugreifen. Selbstverständlich gegen Geld. Auf der anderen Seite versuchte Facebook aggressiv der Konkurrenz, wie z. b. der Videoclip-Plattform Vine von Twitter, den Zugriff auf ebendiese Daten zu verweigern. Dieses Verhalten erinnert stark an Microsofts monopolistische Vorgehensweisen in den 1990er Jahren. Von einem Kongressabgeordenten wurde Zuckerberg kürzlich ins Kreuzverhör genommen und gefragt, ob Facebook ein Monopol sei. Er verneinte dies. Seit letzter Woche ist diese Aussage nicht mehr zu halten. Zuck, wie er in Kurzform genannt wird, muss nun Flagge zeigen. Ausreden gelten nicht mehr.

Nachdruck aus Börse Online

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