Die EU Kommission hat in der letzten Woche gegenüber Apple Zähne gezeigt und eine Steuernachforderung in Höhe von $14 Mrd. aufgestellt. Wettbewerbskommissarin Margarethe Vestager sieht in den Steuerpraktiken von Apple aber auch von anderen amerikanischen Konzernen unerlaubte Steuervergünstigungen. Apple konnte durch den internationalen Erfolg seiner Produkte einen aktuellen Bargeldbestand im Ausland in Höhe von $215 Mrd. akkumulieren. Gefördert durch die attraktive wie laxe Steuerpolitik von Irland musste Apple im Zeitraum zwischen 2003 und 2014 lediglich einen Steuersatz zwischen 0,005 und einem Prozent bezahlen. Doch nicht nur in Europa wecken die gigantischen Cash Bestände amerikanischer Unternehmen Begehrlichkeiten. In den USA selbst gilt ein Unternehmenssteuersatz von 35 Prozent. Entsprechend ist die Motivation für die amerikanischen Konzerne gering, das im Ausland verdiente Geld nach Hause zu transferieren. Mittlerweile haben sich auf den Auslandskonten der US-Unternehmen sage und schreibe zwei Billionen Dollar angesammelt. Doch nun scheint, auch durch die EU Aktivitäten, Bewegung in die Sache zu kommen. Im anstehenden Präsidentschaftswahlkampf haben sowohl Hillary Clinton als auch Donald Trump verlauten lassen, dass sie Ausgaben für die Infrastruktur deutlich ausbauen wollen. Schaut man sich die amerikanischen Straßen und Brücken an, so wird deutlich, dass hier dringender Handlungsbedarf besteht. Finanziert wird die amerikanische Infrastruktur über den Highway Trust Fund, der aber an die Benzinsteuer gekoppelt ist. Eine Steuererhöhung auf den Kraftstoff käme einem politischen Selbstmord für die Präsidentschaftskandidaten gleich. Clinton will $275 Mrd. und Trump sogar den doppelten Betrag in die Infrastruktur investieren. Beide haben als Finanzierungsquelle den unversteuerten im Ausland liegenden Cash-Berg der Konzerne ausgemacht. So dürfte es nach den Präsidentschaftswahlen im November einen zügigen „Tax-Deal“ mit den Unternehmen geben. Apple Chef Tim Cook signalisierte vorab schon einmal Gesprächsbereitschaft. Die Aktienkurse von Apple & Co. könnten davon deutlich profitieren, kann doch das Kapital dann für Unternehmenskäufe und Investitionen eingesetzt werden.

Nachdruck aus Börse Online

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