Beiträge von Thomas Rappold


Ende letzten Jahres hatte ich an dieser Stelle über Facebooks „Annus horibilis“ also das schrecklichste Jahr in der noch jungen Facebook Geschichte geschrieben. Grund waren die mannigfaltigen Datenskandale in die das Unternehmen verwickelt war. Facebook Chef Marc Zuckerberg war mächtig in die Defensive geraten. Doch nun scheint ihm mit seiner Facebook Währung Libra ein veritabler Befreiungsschlag gelungen zu sein, mit dem er Regierungen, Aufseher und Banken massiv unter Zugzwang setzt. Folgerichtig hält es die für ihre exzellenten Analysen bekannte BIZ Bank in Basel (Die Zentralbank der Zentralbanken) für möglich, dass Facebook bald den globalen Finanzsektor beherrschen könnte.

Bisher richtete sich der Fokus der Berichterstattung lediglich auf den „Libra Coin“, den als Stablecoin geplante Währungskorb. Tatsächlich plant Zuckerberg weit Größeres. Es geht ihm um den Aufbau eines neuen digitalen auf Facebook aufbauenden FinTech Ökosystems aus einem Guss. Zuckerberg will Geldgeschäfte so einfach wie das Versenden von Fotos machen. Strategischer Kopf dahinter ist David Marcus, früherer Präsident von PayPal. Das Libra Partnernetzwerk besteht aus Größen wie Uber, Lyft, Mastercard, Visa, Booking.com, Vodafone aber auch den Venture Capital Unternehmen Andreessen Horowitz und Union Square Ventures. Der illustre Kreis bezahlt jeweils 10 Mio. Dollar für die Mitgliedschaft und dem Zugriff auf den Libra „Investment Token“.

Die entstehende Liquidität durch die Anwender soll in Staatsanleihen fließen. Die Erträge daraus finanzieren die Netzinfrastruktur. Entstehende Überschüsse fließen an die Eigentümer der „Investment Token“. Berechnungen von Cryptoexperten zeigen, welch lukratives Geschäft daraus erwachsen kann: Geht man davon aus, dass Libra 10 Prozent der M1 Sichteinlagen der USA in Höhe von aktuell 3,7 Bio. Dollar zufließt, könnten die „Investment Token“ Besitzer aus ihren 10 Mio. Dollar Einsatz nach zehn Jahren einen Ertrag von 4,4 Mrd. Dollar erzielen. Eine wahrlich fürstliche Rendite. Anleger sollten also genau die börsennotieren Unternehmen langfristig im Blick halten, die im Libra Konsortium mitmischen.

Menü